Geschichte

Die Geschichte des größten Bildungsanbieters im Bereich Elektro- und Informationstechnik beginnt im kriegszerstörten Deutschland ganz klein mit vier Lehrern und einem Meisterkursus. Seitdem hat das Bundestechnologiezentrum viele Entwicklungen begleitet oder initiiert – und sich erfolgreich für den Erhalt des Meisterberufs stark gemacht. Lesen Sie, wieso die Geschichte des deutschen Elektrohandwerks untrennbar mit dem Namen des BFE verknüpft ist.

1947

Gründung als Meisterschule

Als das Bundestechnologiezentrum 1947 von der Stadt Oldenburg, der Handwerkskammer und dem damaligen Innungsobermeister Sandfuchs gegründet wird, bekommt es einen landesweiten Auftrag: Man will im kriegszerstörten Deutschland „eine unabhängige Ausbildung für das gesamte Bundesgebiet aufbauen, die an Tiefe und Spezialisierung nicht zu überbieten ist“. Die Anfänge sind klein: In einer urigen Kneipe, der „Meisterklausel“, unterrichten vier Lehrer ihre Schüler in einem Tanzsaal am Heiligengeistwall in der Oldenburger Innenstadt.

1990

Das Themenspektrum wird größer

Erst vier Jahrzehnte später beginnen die ersten Dozenten, Seminare zu halten. Damals ist dieses Lernformat noch eine Innovation auf dem Bildungsmarkt. Auch werden Aufstiegsausbildungen für Meister auf Hinwirken des BFE in Deutschland eingeführt: 1985 kam zum Meister ein Betriebswirt des Handwerks in den Ausbildungsplan, 1991 folgte der Fachplaner für Energie- und Gebäudetechnik.

Drei Jahre später, 1994, wird das BFE als erste Bildungseinrichtung des Landes nach ISO 9001 zertifiziert und bekennt sich somit klar zu einem transparenten Qualitätsmanagement.

1997

Kinderschuhe für digitales Lernen

In einer Projektgruppe entsteht 1997 am Bundestechnologiezentrum die Idee, ein Programm zu entwickeln, das dem Benutzer effektiv und streckenweise interaktiv technisches Wissen vermittelt. Im zeitknappen Handwerk wäre es eine enorme Hilfe, Teile der Weiterbildung zu Hause oder in Leerzeiten im Betrieb ausüben zu können. „Telelernen“ nennen die Mitarbeiter ihre Idee. Der erste Titel lautet „Europäischer Installationsbus“ und stößt sowohl bei Teilnehmern als auch bei Unternehmen auf höchstes Interesse.

Der Bereich wächst rasant. Die BFE-Programmierer entwickeln spezifische Lernsoftware für Marken wie EWE, Siemens und Mennekes. Allein die allgemeine Verkaufssoftware wächst auf 24 Titel mit einer Gesamtdauer von 200 Lernstunden. Der nächste Schritt ist die globale Verbreitung: 2012 wird der Bestseller „Grundlagen der Elektrotechnik“ ins Englische übersetzt und unterstützt eine südafrikanische Berufsschule erfolgreich dabei, dringend benötigtes Fachpersonal in der strukturschwachen Provinz Ostkap auszubilden.

2004

Über die Norm

In kaum einer anderen Branche gibt es derart viele Innovationen und in direkter Nachfolge derart viele neue Regelungen wie in der Elektro- und Informationstechnik. Handwerksbetriebe sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet, sich auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Hierfür müssen sie sich vom VDE die Normen kaufen, die ihr Unternehmen betreffen. Für viele ein Problem: Die Originaltexte sind extrem lang und schwer verständlich, zudem muss sich jeder die Normen und Vorschriften aus dem Gesamtwerk mühsam zusammensuchen, die für sein Unternehmen passen.

Um den Handwerksbetrieben eine Lösung zu bieten, entscheidet sich das BFE bereits 2004 in Alleinstellung dazu, einen Normendienst anzubieten: Insgesamt 10.000 Normen und Vorschriften werden in ein Archiv aufgenommen und in verständliche Interpretationen umgeschrieben. Mit viel Mühe und Engagement entsteht eine bis heute einzigartige Datenbank – und eine Lösung für viele: Unternehmen können sich per E-Mail-Newsletter informieren lassen, wenn sich Normen ändern oder sich telefonischen Rat holen. Verlage und Internetportale werden Großabnehmer und bieten den Normendienst in großem Stil für ihre Abonnenten an.

Doch die Normenflut wächst weiter – allein im Jahr 2018 erreichen 400 neue Normen und Verordnungen die E-Branche. Gerade auf den Baustellen entsteht der Bedarf nach einer mobilen Version: Aktuelles Wissen muss hier schnell parat sein. Das BFE reagiert und bringt 2018 in einer Kooperation mit dem Entwickler Marcel Aulenbach eine Normendienst-App heraus. Handwerker können sich jetzt sogar per Video-Chat direkt auf der Baustelle beraten lassen.

2013

Europaweite Anerkennung, bundesweite Ignoranz

2013 sorgen neue, europäische Rahmenbedingungen für eine Aufwertung des Meisterabschlusses: In diesem Jahr erhält der Meister die europaweite Studienberechtigung. In jedem Meisterbrief ist fortan vermerkt, dass der Abschluss im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen (DQR/EQR) dem Niveau 6 entspricht. Gleichzeitig werden in diesem Kontext der Meister- und Bachelorabschluss gleichgestellt.
Für den Meister ist das ein bildungspolitischer Meilenstein: Seine Wertigkeit wird im europäischen Vergleich sichtbar, ein Jobwechsel oder auch die Fortführung von Bildungswegen innerhalb der Europäischen Union werden hierdurch erleichtert.

Doch während Europa den Meister hochleben lässt, wird in Deutschland immer weniger für seinen Erhalt getan. Im Zuge der Globalisierung und Akademisierung entscheiden sich viele Nachwuchskräfte für den Bachelor. Auf der anderen Seite bieten Berufsschulen den Techniker als Alternative an. Eine sinkende Zahl von Auszubildenden verteilt sich auf immer mehr Alternativ-Berufe: Die Zahl der Handwerker sinkt. Deutschlandweit brechen bei den Bildungsanbietern die Meisterkurse ein. Als letzter Anbieter leistet sich das BFE alle fünf Schwerpunkte der Meisterausbildung im Programm.

Dabei ist die Situation absurd: Die Wirtschaft sucht händeringend nach Meistern der Elektro- und Informationstechnik, die Ausbildung ist ein Garantieschein für eine Top-Karriere. Gleichwohl schlagen weiterhin viele Auszubildende eine akademische Laufbahn mit ungewissen Jobaussichten ein, denn über den Meister werden sie von niemandem mehr informiert!

2014

Den Meister bewahren

2014 entscheidet sich das Bundestechnologiezentrum zunächst im Alleingang zu einer neutralen, bundesweiten Aufklärungskampagne an den Berufsbildenden Schulen. Der Aufwand ist groß, die Idee einfach: Wenn die Auszubildenden erst wieder von den fünf Meisterschwerpunkten und ihren Vorteilen erfahren, werden sie zurückkommen! Die Initiative nimmt Fahrt auf, 2015 sichert der Zentralverband seine Unterstützung zu. Und das BFE behält Recht. Nach vier Jahren kommt der Wendepunkt. Die Teilnehmerzahlen bei allen fünf Schwerpunkten steigen wieder – es ist gelungen, den Trend zum Positiven zu verändern.

2019

Weltweit lernen wie die Meister

2019 folgt der nächste Meilenstein: Im chinesischen Qingdao unterschreibt Direktor Thorsten Janßen einen Vertrag, in dem er die Übersetzungsrechte aller 24 Software-Titel freigibt. Für die Chinesen ist die stark von Interaktion geprägte Lernsoftware ein völlig neuer pädagogischer Ansatz. Das BFE feiert diesen Schritt als großen Erfolg: Die digitalisierten Maxime aus der Meisterausbildung beginnen, um die Welt zu wandern.